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Wenn ein Konzern mit 140.000 Mitarbeitern anfängt, Arbeitsprozesse zu transformieren, ist das eine gewaltige Aufgabe. Martin Seibert, Geschäftsführer von Seibert Media, hat mit Michael Frey darüber gesprochen, was es heißt, wenn ein Riese wie die Telekom agiler wird. Michael Frey ist Abteilungsleiter der Deutschen Telekom IT und damit verantwortlich für den gesamten Change-Prozess. Anlass des Gesprächs war das neue Buchprojekt von Martin Seibert We run on agile über Agile-Skalierung mit SAFe und Agile Hive, das zunächst auf Englisch online und frei zugänglich entstehen wird.

Michael, Du bist Abteilungsleiter der Deutschen Telekom IT, magst Du kurz was zu Deinen Aufgaben sagen? 

Mein Bereich verantwortet hier in der Telekom IT einen Teil der ITIL-Service-Management-Praktiken: ITIL steht für Incident-, Problem- und Change-Management und außerdem das Continuous-Service-Improvement. Das heißt, die Telekom IT stellt Anwendungen, Services und den IT-Betrieb für die Deutsche Telekom zur Verfügung. Beispielsweise werden alle Customer-Touchpoints, also Apps, Webportale und die Callcenter für unsere Kunden hier betreut. Mein Bereich stellt über alle Services eine „Ende-zu-Ende“-Sicht her, inklusive Fehleranalysen und Lösungen. Alles, was vorne dem Kunden angeboten wird, muss ja hinterher auch funktionieren. Seit Peter Leukert CIO der Telekom ist, sind wir hier in der Transformation, agiler zu werden. Das heißt also, die Telekom will agiler werden, schneller auf Marktanforderungen reagieren, und die Telekom IT ist natürlich als IT-Tochter der Telekom besonders involviert.

Wie viele Leute sind da involviert? 

Die gesamte Telekom IT will sich agil transformieren. Wir müssen am Markt schneller werden, wir müssen auch auf Herausforderungen reagieren können, die plötzlich von der Seite reinkommen. Also alle 10.000 von der Telekom IT sind komplett dabei. Und von den 140.000 Mitarbeitern der Gesamt-Telekom sind mindestens 60.000 im Prozess drin.

Und das macht Ihr mit SAFe als Framework?

Ja, wir wollen hier bei der Telekom SAFe implementieren. Da sind viele Dinge im Paket, die sehr interessant sind, aber die Transformation ist nicht so einfach: Es rumpelt. Deshalb kommt mir jetzt ein Austausch mit Dir sehr gelegen, Ihr seid ja Experten für das SAFe Framework. 

Richtig, wir sind mit Agile Hive Scaled Agile Partner des deutschen SAFe-Experten Kegon und haben viele große Kunden. Ich schreibe selber gerade ein Buch, das ich genau für Leute wie Dich schreibe. Zum einen geht es darum, wie man damit umgeht, wenn es rumpelt und natürlich geht es da auch um die Erfahrungen anderer Unternehmen.

Ich glaube, nach so einem Buch über SAFe suchen gerade viele, mit Erfahrungen, wie andere das gemacht haben. Es ist unglaublich schwierig auszuhalten, dass sich bestimmte Zustände auch mal nicht so schnell verändern, wie man das sich das wünscht. Da laufen ja manche Dinge anders und eben manchmal auch langsamer. 

Was würdest Du sagen ist der aktuelle Stand der agilen Transformation bei der Deutschen Telekom und wie würdest Du ihn beschreiben?

Mittendrin! Also, wir sind gestartet. Erste alte Organisationsstrukturen lösen sich auf. Wir migrieren in eine Skill- and Chapter-Logik. Die bisherigen hierarchischen Führungsstrukturen werden aufgegeben, werden durch fachliche ersetzt, denen quasi so eine disziplinarische Organisation in Matrixform hinterlegt wird. Jetzt kommt genau der Punkt, an dem wir feststellen: Es gibt bestimmte Rollen und Aufgaben, die sind in der neuen Ablauforganisation nicht bedacht gewesen, zum Beispiel lokale Verantwortlichkeiten. Wir sind ja eher eine Compliance-, Governance-getriebene Organisation. Cloudbasierte Anwendungen haben größere Freiheitsgrade, aber wir werden einen gewissen On-premise-Anteil weiterhin brauchen. 

Ja, okay. Wo lagen und liegen die größten Stolpersteine für die Ausbreitung von agilen Denkweisen in einer eher klassisch organisierten und geprägten Bereichen bei Euch?

Stolpersteine in der Umsetzung bestehen für uns darin, dass es wenig Blaupausen gibt. Irgendwie erinnert mich so ein bisschen an den Anfang der IT-Zeit, wo IT ein ganz großes, neues Thema war, aber keiner wirklich wusste, was das überhaupt ist und was das bringen soll. Es gibt einfach sehr wenig gute Beispiele von SAFe-Implementierungen von bei Unternehmen unserer Größe, von denen man sagen kann, das hat richtig super geklappt. 

Gibt es Bereiche, die Ihr bei der Agilisierung bewusst außen vor gelassen habt? War das aus taktischen Gründen gewesen oder ist das dauerhaft so oder weil es einfach nicht passt? 

Also wir haben ein paar sogenannte Enabling Functions in SAFe, zum Beispiel Finanzen, aber auch Human Ressources. Du kannst überall dort gut Transformation machen, wo Du eine eigene Legitimation hast. Dort, wo es viele gesetzliche Vorgaben gibt, sind die Bereiche natürlich ein bisschen eingeschränkt. Trotzdem prüfen wir in allen Bereichen, ob nicht bestimmte agile Methoden auch dort angewendet werden können. Finanzen und HR sind erstmal an die Seite gestellt, aber nicht dauerhaft ausgeklammert. 

Was sind die Gedanken und Fragen, die Euch rund um die agilen Transformationen, Methoden und Tools gerade umtreiben? 

Es gibt da grundsätzlich eine gewisse Unsicherheit: Machen wir es richtig? Sind wir richtig unterwegs, in der Form, die wir jetzt hier implementieren? Was wir auch feststellen: Agiles Arbeiten braucht auch Tools, die agiles Arbeiten unterstützen und da die Befürchtung: Setzen wir jetzt hier aufs falsche Pferd? 

Okay, das heißt aber, Ihr habt aktuell noch keine SAFe-Software, die Euch dabei unterstützt?

Nein, das haben wir nicht. 

Dann musst Du dich auf jeden Fall mal mit Agile Hive beschäftigen.

Genau. 

Noch eine letzte Frage: Mit welchen agilen Skalierungs-Frameworks habt Ihr schon aktiv gearbeitet und welche Erfahrungen habt Ihr dabei gesammelt? 

Also wir machen SAFe. Wir haben kein weiteres Framework angeschaut. Ich würde sagen, je tiefer wir kommen, je mehr wir lernen, umso verständlicher werden uns einige SAFe-Rollen. Dinge, bei denen wir am Anfang gesagt haben, das geht bei uns gar nicht, die werden jetzt immer plausibler. Eine solche Anfangsschwierigkeit war, die Abläufe richtig auf der passenden Ebene zuzuordnen. Plötzlich merkst Du, wenn Du da richtig bist, dann passen auch die SAFe-Rollen! Ja, das ist schon ein gutes Framework. Aber es dauert eine gewisse Zeit, bis man selbst die Reife hat, es auch zu verstehen. 

Vielen Dank für das Gespräch! 

Michael Frey, Deutsche Telekom IT

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