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Zu diesem Thema haben wir bereits eine Live-Session durchgeführt: Live-Session - Die Retrospektive - Kern agiler Prozesse

Am Ende des Sprint-Zyklus’ steht eine Retrospektive. Diese unterscheidet sich sehr stark von den anderen Scrum-Meetings. Der produktive Teil des Sprint-Zyklus ist mit dem Sprint-Review abgeschlossen. In der Sprint-Retrospektive wird die Zusammenarbeit der Beteiligten nun offen und ehrlich reflektiert. Das Team spricht Probleme konkret an, lastet sie aber einzelnen Mitarbeitern nicht an. Die Ursachen für Komplikationen werden gemeinsam durchdacht, damit nicht Symptome, sondern die Wurzeln der Probleme angegangen werden können.

Vergleichbar ist die Sprint-Retrospektive mit einer Einsatz-Nachbesprechung bei der Feuerwehr oder einem Debriefing beim Militär. Die Retrospektive hat vor allem einen Check-Charakter, wobei der Fokus auf den Prozess und die Zusammenarbeit gerichtet ist. Die Erkenntnisse aus der Retrospektive gilt es dann zu nutzen, um Verbesserungsmaßnahmen einzuleiten.

Das wichtigste Scrum-Meeting im Blickpunkt

Ursprünglich gehörten Retrospektiven gar nicht zum festen Bestandteil von Scrum, wie es Mike Beedle und Ken Schwaber in "Agile Software Development with Scrum" 2001 formuliert haben. Mittlerweile besteht aber Konsens, dass Retrospektiven ein sehr wichtiges, vielleicht sogar das wichtigste Scrum-Meeting darstellen. Denn hier wird durch die Beschäftigung mit Fragen wie den folgenden ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess eingeleitet:

  • Wie gut arbeiten wir eigentlich zusammen?
  • Wie kommen wir im Team miteinander zurecht?
  • Können wir noch Dinge verbessern? Und wenn ja, welche?

Klassisches Projektmanagement hat darauf die Antwort: „Lessons learned“. Nach Abschluss des Projekts versucht man im Rückblick zu betrachten, wie das Projekt abgelaufen ist und was man vielleicht beim nächsten Mal verbessern könnte. Der große Nachteil daran ist: Für das gerade abgeschlossene Projekt bringt es nichts mehr. Und ob das nächste Projekt mit dem gleichen Team stattfindet und ob alle anderen Rahmenbedingungen vergleichbar sind, bleibt offen.

Die Retrospektive - Inspect & Adapt

Scrum dagegen setzt auf regelmässige Verbesserung schon während des Projektablaufs. Zum Ende jedes Sprints (fester Iterationszyklus von 1-4 Wochen) ist ein „Verbesserungsmeeting“ - die sogenannte Retrospektive – vorgesehen. Darin soll einem Scrum-Grundsatz genüge getragen werden: „Inspect & Adapt“. Wir betrachten regelmässig unsere Zusammenarbeit kritisch und überlegen, welche Anpassungen wir vornehmen können, um noch besser und effektiver zusammenarbeiten zu können.

Ablauf und Phasen einer Retrospektive

Eine typische Retrospektive beinhaltet die folgenden Phasen:

  • Phase 0: Die Retrospektive folgt Regeln, z.B. müssen im Vorfeld ein festes Zeitfenster definiert und Ablauffragen geklärt werden: Soll der Product Owner an der Retrospektive teilnehmen? Soll ein Moderator integriert werden? usw.
  • Phase 1: Begrüßung: Vertrauen schaffen, Vorbehalte und Ängste identifizieren, Ziele der Retrospektive benennen, Vertraulichkeitsregeln aufstellen
  • Phase 2: Daten gewinnen: Jedes Teammitglied beschreibt gute Erfahrungen und Verbesserungspotenziale. Jeder Beteiligte bewertet den Teamgeist, die Zufriedenheit mit den Aufgaben, das Maß an Ablenkung, die Qualität der Teamkommunikation. Wichtige Ereignisse werden dem Zeitstrahl des Sprints zugeordnet.
  • Phase 3: Gemeinsam Gründe für die aktuelle Situation und für Herausforderungen suchen
  • Phase 4: Lösungsmöglichkeiten finden, Maßnahmen priorisieren und in das Backlog aufnehmen

Zentrale Prinzipien der Retrospektive

  • Nicht tote Berichte verfassen, sondern im Team direkt kommunizieren (reden statt schreiben)
  • Nicht Schuldfragen klären, sondern Lösungen finden
  • Nicht Probleme und Fehler unter den Teppich kehren, sondern aus ihnen lernen
  • Nicht einmalig, sondern kontinuierlich

Retrospektive und Teambildung

Die Durchführung von Retrospektiven ist ein wichtiges Hilfsmittel, um ein möglichst schnelles Durchlaufen des Teambildungsprozesses zu fördern. Regelmäßige Retrospektiv-Meetings mit dem Projektteam stärken das Verständnis unter- und füreinander und führen zur Herausbildung von Normen. Im Rahmen dieser Meetings spricht das Team offen und selbstkritisch über Herausforderungen im Projektverlauf, ohne allerdings einzelne Personen anzugreifen und für Probleme verantwortlich zu machen.

Die Retrospektive - Kern agiler Prozesse

Video

Präsentation

Siehe: https://www.slideshare.net/mseibert/agile-retrospectives-8768985