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  • Intranet Buch: Mit der Widerstandsmessung komplexe Entscheidungsprozesse dissoziieren
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Haben Sie schon mal etwas von einer Widerstandsmessung gehört? So was machen wir intern oft, wenn es um strittige Entscheidungen geht. Auch dafür nutzen wir Wiki-Seiten. Bei einer solchen Widerstandsmessung werden bestimmte Alternativen zu einer Entscheidung dargestellt. Ziehen wir statt der ISO-Zertifizierung hier mal die Auflösung eines Arbeitsverhältnisses als Beispiel heran. In diesem Zusammenhang kommt die Widerstandsmessung bei uns nämlich am häufigsten zum Einsatz.

Hier erstmal eine Erläuterung der Abstimmungsoptionen:

"Keine Einwände"

Der Vorschlag entspricht voll und ganz der Meinung und Absicht des Mitglieds.

"Leichte Bedenken"

Dem Mitglied fallen relevante Einwände, Bedenken, Risiken, Fragen oder offene Punkte ein, die allen Beteiligten zumindest bekannt sein sollten.

"Schwere Bedenken"

Dem Mitglied reicht es nicht, dass sein Einwand lediglich von den anderen gehört wird; es möchte, dass sein Einwand berücksichtigt wird. Das Mitglied wünscht mit diesem Votum eine Veränderung des Lösungsvorschlags. Sollte die Gruppe keinen besseren Lösungsvorschlag finden oder akzeptieren, trägt das Mitglied den aktuellen Vorschlag mit.

"Beiseite stehen"

Ähnlich wie "schwere Bedenken"; allerdings wird der Lösungsvorschlag nicht aktiv unterstützt. Das Mitglied möchte den anderen nicht im Weg stehen und legt deshalb kein Veto ein.

"Enthaltung"

Das Mitglied kann oder mag sich nicht eindeutig positionieren bzw. findet die Entscheidung nicht so wichtig. Es unterstützt die Umsetzung des Lösungsvorschlags, misst diesem aber keine besondere Bedeutung zu.

"Veto"

Ein Veto verhindert die Akzeptanz und Umsetzung des Vorschlags. Der Vorschlag widerspricht den grundlegenden Überzeugungen, Werten oder Vorstellungen des Mitglieds. Das blockierende Mitglied ist verpflichtet, seinen Einwand zu erklären und zu begründen. Alle Beteiligten sollten den Einwand wirklich verstanden haben. Ein Veto ist deutlich mehr als ein schwerer Einwand; es existieren nicht nur Risiken oder Bedenken. Ein Veto soll einen schwerwiegenden und möglicherweise existenziellen Schaden für die Organisation verhindern. Verkraftbare Risiken sollten eher zu schweren Bedenken als zu einem Veto führen. Letztendlich bleibt die Entscheidung darüber, ob ein Veto gerechtfertigt ist, jedoch immer beim einzelnen Mitglied.

"Austritt"

Für den Fall, dass die Gruppe eine Entscheidung trotz eines Vetos unbedingt umsetzen will, bleibt ihr nur die Möglichkeit, die Gruppenzugehörigkeit des blockierenden Mitglieds infrage zu stellen und es möglicherweise aus der Gruppe auszuschließen. Umgekehrt kann das blockierende Mitglied im Interesse der Gemeinschaft handeln, indem es selbst die Gruppe verlässt. Dies stellt eine Ultima Ratio dar!

Die Informationen habe ich entlehnt aus "Das kollegial geführte Unternehmen: Ideen und Praktiken für die agile Organisation von morgen"  von Bernd Oestereich und Claudia Schröder (siehe Literaturempfehlungen und https://kollegiale-fuehrung.de/buch/)

Siehe auch: https://seibert.biz/widerstandsmessungbeispiel 

Hier sehen wir eine Tabelle mit einer bestimmten Option für den Umgang mit einem Mitarbeiter nach Ablauf der Probezeit. Für jede Option, beispielsweise die Kündigung oder die Weiterbeschäftigung, wird für bestimmte Mitarbeiter (etwa Mentoren, Teammitglieder, relevante Peers) abgefragt, wie hoch ihr Widerstand gegen die jeweilige Option ist. Die Frage lautet also nicht, ob Sie für etwas sind, sondern wie stark Sie dagegen sind, falls eine bestimmte Option gewählt wird.

Eine Kündigung ist oft das letzte Mittel, das man als Unternehmen anwenden kann, wenn alles andere nicht funktioniert hat. Wir tun uns damit schwer und ich kenne keinen Unternehmer, der sich darauf freut, eine Kündigung auszusprechen. Manchmal ist aber die aktuelle Zusammenarbeit und die Aussicht auf Weiterbeschäftigung auch nicht das, was man sich wünscht. Wir experimentieren viel und gewähren viele Freiräume zur Entfaltung. Wir erlauben Mitarbeitern, sich in unterschiedliche Rollen hineinzufinden. Und das klappt erstaunlich oft eben doch gut, obwohl es vielleicht anfangs gar nicht so aussah. Dann sind natürlich alle zufrieden. Aber manchmal funktioniert es eben auch nicht.

Eine endgültige Entscheidung gegen eine Mitarbeiterin oder einen Mitarbeiter ist für uns immer ein Schlamassel. Hier greifen wir gerne auf die Widerstandsmessung zurück. Auch dann, wenn wir uns die Köpfe heiß diskutieren, ob wir nun in eine ISO-Zertifizierung investieren sollten oder nicht, weil sie uns womöglich langsam und starr macht, ist eine Widerstandsmessung hilfreich.

Wichtig ist dabei auch, dass Sie der digitalen Zusammenarbeit keinen Determinismus zuweisen. Auch wenn der Widerstand gegen eine Option höher ist, können Sie sie natürlich trotzdem wählen. Zwar kann jeder im Unternehmen transparent diskutieren und mitlesen, aber schließlich läuft es darauf hinaus, dass Sie als Unternehmer eine unternehmerische Entscheidung treffen (oder in unserem Fall das Team, das unser Portfolio-Board betreibt).

Gesicherte Grundlagen sind dabei oft Mangelware. Machen wir A oder B? Ein Unternehmen ist kein Billardtisch, auf dem die erste Kugel, wenn man sie richtig trifft, die zweite Kugel anstößt, die wiederum zielsicher die dritte Kugel ins Loch befördert. Es gibt keine Garantie, dass aus einer Entscheidung die erhofften Konsequenzen entstehen. Unternehmerische Entscheidungen sind immer Abwägungen und Wetten auf ein Ergebnis.

Ein modernes Intranet hilft dabei, im kompletten Entscheidungsprozess von A bis Z Transparenz anzubieten und zu fördern. 

Als Unternehmer können Sie die Kommunikation und den Austausch fördern. Sie können jedem eine Bühne geben und Aufmerksamkeit schenken. Aber die Entscheidung selbst kann auf Messers Schneide dann doch nur von den Verantwortlichen getroffen werden.



Das Social Intranet

Zusammenarbeit fördern und Kommunikation stärken. Mit Intranets in Unternehmen mobil und in der Cloud wirksam sein.

Virtuelle Zusammenarbeit in Unternehmen: Social Intranets als digitale Heimat 

Nie zuvor wurde die Unternehmenswelt so sehr von Cloud-Software und Spezialanbietern überrannt wie jetzt. Es gibt so viel Software, dass es immer schwieriger wird, den Überblick zu behalten. Umso wichtiger ist es für die Zukunft von Unternehmen, einen Ort der digitalen Zusammenkunft zu haben. Einen verlässlichen Heimathafen, sinnvoll vernetzt mit den zahlreichen anderen Systemen. Eine Möglichkeit, sich einfach und schnell zu orientieren, die Transparenz im Unternehmen zu erhöhen und die Zusammenarbeit effektiver zu gestalten.
Dieses Buch verrät Ihnen aus langjähriger Erfahrung heraus, wie das heute schon geht und welchen vermeintlichen Trends Sie lieber nicht folgen sollten.

Über den Autor

Martin Seibert war 17, als er das Softwareunternehmen Seibert Media gründete. 24 Jahre später hat es knapp 200 Mitarbeiter und macht 35 Millionen Euro Umsatz im Jahr. Seine Begeisterung für Technologie teilt er seit vielen Jahren in YouTube-Videos – und jetzt auch in seinem neuen Buch über Social Intranets.


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