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  • Der Podcast von Seibert Media! - Staffel 2 - Folge 5: Arbeiten im Home-Office - Individuelle Gewohnheiten, Atomic Habits und Goalless Thinking
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Kickass Software, Rock 'n' Roll Teams
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DIE NEUESTE FOLGE



VERFÜGBAR AUF

Arbeiten im Home-Office – Individuelle Gewohnheiten, Atomic Habits und Goalless Thinking

Veröffentlicht am 29. April 2020


Welchen Risiken und Möglichkeiten stehen wir jetzt gegenüber? Was können wir aus Konzepten wie "Atomic Habits" und "Goalless Thinking" von James Clear für uns und unseren Arbeitsalltag lernen? Wie verändern sich Führung und Führungsaufgaben in Remote-Konstellationen?

Antworten auf diese und weitere Fragen bietet unser kurzweiliges Gespräch.


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Transkription

Blogartikel



Behandelte Themen

Einführung von Matthias Rauer

Home Office und Remote-Konstellationen

Gute und schlechte Gewohnheiten

Atomic Habits und die Tagesstruktur

Goal-less Thinking

Servant Leader

Martins Erfahrungen im Home Office





Transkription des Podcasts

Mit: Martin Seibert und Matthias Rauer von Seibert Media


Matthias:

Hallo und Willkommen zu einer neuen Podcast-Folge von Seibert Media. Auch dieses Mal wollen wir uns mit einem Thema unseres Themenkomplexes Remote-Zusammenarbeit beschäftigen und heute unter anderem mal erkunden, wie wir als Individuen auf persönlicher Ebene das Beste aus der neuen Situation im Home Office machen können. Nun, die Beschränkungen, um die Corona-Pandemie einzudämmen sind für Millionen Leute spürbar. Zum Zeitpunkt dieser Aufnahme sitzen viele von uns nach wie vor im Home Office und viele von uns machen diese Erfahrung zum ersten Mal. Aber auch unter normalen Umständen gewinnt dieses Thema ja zunehmend an Bedeutung. Home Office, Gleitzeit, verteilte Teams, sind jedenfalls längst keine Ausnahmephänomene mehr. Für Menschen, die mit einer solchen Situation nicht vertraut sind, birgt die Arbeit im Home Office jedoch gleichermaßen Gefahren und Chancen. Das betrifft auf persönlicher Ebene nicht zuletzt unsere Gewohnheiten und unsere habitualisierten Rituale. Unter anderem darüber wollen wir in dieser Folge ein bisschen diskutieren. 

Als Hobby-Psychologen sind am Start mein lieber Kollege Martin Seibert und meine Wenigkeit Matthias Rauer. Martin, du gilst bei uns nicht gerade als der größte Vertreter oder Verfechter von Home Office und Remote-Konstellationen. Ja, jetzt steckst du selbst mitten drin. Erste Frage, wie geht es dir in der ungewohnten Situation?


Martin:

Ach, mir geht es eigentlich ganz gut. Also ich habe hier das Glück, dass ich in unser Vorderhaus quasi einziehen konnte. Das ist ein Ferienhaus eigentlich, das wir vermieten. Und da habe ich sozusagen sehr viel Ruhe vor dem Trubel der Familie und den Kindern und so weiter und das schafft für mich die Möglichkeit, einen geschützten Ort zu haben und trotzdem bei der Familie zu sein. Das ist eine ganz neue Erfahrung. Du hast das ja in der Frage schon so ein bisschen dargestellt. Eigentlich mag ich sehr gerne eng mit den Leuten, mit denen ich regelmäßig zusammenarbeite, zu arbeiten. Das habe ich jetzt in den letzten 24 Jahren so gemacht und das hat schon sehr sehr viele Vorteile, die digitale Technologie teilweise nicht so gut überbrücken kann. Aber, um die Frage kurz zu beantworten, mir geht es gut. Ich komme damit gut zurecht. Das hat unheimlich viele Vorteile und leider auch ein paar bekannte Nachteile. 


Matthias:

Auf die wir ja bestimmt noch zu sprechen kommen. Wir wollen aber wie angekündigt, erstmal über Gewohnheiten sprechen. Du hast vor kurzem einem Blog-Artikel und einen Newsletter genau zu diesem Thema veröffentlicht. Gute und schlechte Gewohnheiten, die man jetzt habitualisieren kann, wo man im Home Office sitzt. Welche schlechten Gewohnheiten drohen denn jetzt deiner Meinung nach? Hast du sozusagen die Befürchtung, dass die Kollegen morgens um 10 den ersten Gin Tonic reinkippen, oder was sind deine Befürchtungen?


Martin:

Ja, also, das ist meines Erachtens ist das gar nicht so weit weg, auch wenn du es, also ich glaube jetzt nicht, dass Alkohol ein großes Problem ist…


Matthias:

Ja, nur als Beispiel…


Martin:

Vielleicht könnte es eins werden, aber also ich habe ja überhaupt nicht an diese Corona-Pandemie geglaubt, sondern, dachte das, also ähnlich wie der Donald Trump, das sei eigentlich alles nur so überhöht und das kann man ausschwitzen, die Sache. Irgendwann waren dann die Schulen zu, spätestens zu dem Zeitpunkt wurde mir klar, okay, das ist jetzt schon richtig ernst und wird nicht nur die Wirtschaft, sondern uns alle auch sehr stark beeinträchtigen und dann habe ich nicht als erstes, müsste man vielleicht machen als Geschäftsführer, darüber nachgedacht, was es für uns als Unternehmen bedeutet, sondern mein erster Gedanke war, au Scheisse, die werden alle dick und rund werden. Also, sich sozusagen 15 Stunden nur vorm Rechner rumdrücken und sämtliche guten Gewohnheiten, die sie sich vielleicht angewöhnt haben, über Bord werfen und sich Pizzen bestellen und sozusagen ganz viel schlechte Ernährung machen.

Und tatsächlich hatten wir dann bei unserem ersten Agile Org Frühstück, das wir remote gemacht haben, kamen dann ja auch so Fragen. Wer hat denn hier eigentlich eine richtige Hose an? Habt ihr in den letzten 48 Stunden geduscht? Was waren da noch für Fragen, hilf mir mal. Also es waren sozusagen, die Scrum-Master hatten sich so ein paar lustige Aktivierungs-Fragen ausgedacht, am Anfang von dieser Veranstaltung, um na ja, sozusagen darauf hinzuweisen, was für schlechte Gewohnheiten, also ist das Snacken dein neuestes Hobby. Und ich weiß gar nicht, ob die Leute da ernsthaft darauf geantwortet haben oder nicht, aber das war genau das, was mir so durch den Kopf ging und ich dachte so, guck mal, du beschäftigst dich ja selber sehr intensiv mit der Angewöhnung von guten Gewohnheiten. Jetzt ist zum einen ein Zeitpunkt, wo die Leute auf einmal ein ganz neues Leben haben, das ganz anders abläuft. Also man sollte halt nicht mehr ins Büro gehen, und nicht mehr sozusagen dann zum Sport und dann noch ins Fitnessstudio, irgend sowas, sondern wo sie einfach sozusagen ein weißes Blatt Papier haben, das sie selber gestalten können. Und dann habe ich diesen Blog-Artikel geschrieben, der unheimlich gut intern angekommen ist tatsächlich. 


Matthias:

Lass uns bei dieser, beim Angewöhnen von Gewohnheiten mal direkt bleiben. Da geht es um etwas, was als Atomic Habits bezeichnet wird. Bei dir fing das mit einem Klimmzug pro Tag an, richtig? Erzähl mal ein bisschen was darüber. Was sind Atomic Habits?


Martin:

Ja, also Atomic Habits ist erstmal geklaut. Also gibt es ein gleichnamiges Buch, das der James Clear geschrieben hat. Und da geht es letztendlich darum, dass man sich winzig kleine, also atomare Gewohnheiten antrainiert, die an sich jetzt erstmal nicht so viel Disziplin und Überwindungskraft brauchen, aber die einen trotzdem irgendwie voranbringen. Also, statt sich vor den Fernseher mit Chips zu setzen, macht man einen Klimmzug. Oder benutzt Zahnseide oder, ich muss gerade mal überlegen, was ich sozusagen sonst noch so für Dinge gemacht haben, die total minimal sind. 


Matthias:

Die Katze füttern, stand da noch zum Beispiel…


Martin:

Ja ja, okay, also es geht immer so, meiner Frau einen Kaffee machen, Abends schon die Brotbox in den Geschirrspüler legen, also inzwischen habe ich, also das nennt sich Habit Stacking, also man sattelt dann sozusagen die Kleinigkeiten aufeinander. Bestimmt so 40, 50 Sachen, die ich morgens und abends erledige, die an sich einzeln alle kaum länger als eine Minute dauern, die insgesamt aber schon einen ziemlich sportlichen Ablauf geben, der insgesamt etwa ein bis zwei Stunden meines Tagesablaufs in Anspruch nimmt, aber unglaublich viel Lebensqualität für mich gebracht haben. Und das fing halt mit einem einzigen Klimmzug an. Wo dann die Kollegen auch sagten, das kannst du grad sein lassen, der sportliche Effekt von einem Klimmzug ist gleich Null. Also da kriegst du keine dicken Arme von und das bringt auch insgesamt nichts. Ja, darum geht es mir ja gar nicht. Es geht mir darum, mir sozusagen etwas anzugewöhnen. Also eine neue Gewohnheit zu schaffen, und ich bin stolz wie Oskar, inzwischen kann ich sechs Klimmzüge machen. Das war am Anfang vollkommen undenkbar. 


Matthias:

Und du meinst, sich solche Gewohnheiten draufzuschaffen, ist jetzt ein guter Zeitpunkt?


Martin:

Na ja, das habe ich ja am Anfang schon gesagt. Du hast jetzt schon eigentlich nicht mehr, ich bin ja, wie du auch, gut, du bist eh immer im Home Office, aber, also ich bin ja jetzt schon seit vier Wochen in diesem Zustand. Und die Externalisierung dieser Informationen kommt für unsere Kunden vermutlich zu spät. Die haben sich diese ganzen schlechten Gewohnheiten in der Corona-Krise lässt angewöhnt und müssten die jetzt erst einmal abtrainieren. Aber damals, als ich den Blog-Artikel geschrieben haben, deshalb habe ich den auch so schnell geschrieben, dachte ich, Mensch, das ist die beste Zeit der Welt, weil jetzt wirklich vollständige Herrschaft über den eigenen Tag besteht. Niemand kann mir sagen, wann ich wo zu sein habe, weil ich immer sagen kann, das geht jetzt gerade nicht. Und außerdem hat ja auch keiner irgendwie relevante Termine. Das einzige, was wir haben, sind Verabredungen zu virtuellen Abstimmungsterminen, die sich ja eh nach der Verfügbarkeit der anderen ausrichten. Also, zumindest bei uns im Unternehmen ist es ja nicht so, dass irgendwie der grosskopferte Ober-Manager dann irgendwie 20 Leute zusammenruft, die dann alle in so einem blöden Remote-Meeting sitzen müssen, obwohl sie gar keinen Bock haben und es auch nichts bringt. Und dann sozusagen sie eine fremdbestimmte Besprechung haben, sondern zumindest bei uns im Unternehmen ist es so, dass die Leute dann einfach nicht teilnehmen, wenn ihnen der Zeitpunkt des Meetings nicht passt. 


Matthias:

In deinem Blog-Post beschreibst du ausführlich, wie gesagt, wie du auf diese Art und Weise und mit dieser Tagesstruktur deutlich fitter und gesünder geworden bist und sechs Klimmzüge am Tag schaffst. 


Martin:

Das schreibe ich da nicht. Als ich den geschrieben habe, schaffte ich nur fünf. [Lacht].


Matthias:

Das steht da nicht. Ja, okay, aber es geht zumindest um ein Konzept namens Goal-less Thinking. Und was können und sollten wir denn vielleicht daraus für den Arbeitstag und für den Arbeitsalltag auch in Remote-Konstellationen lernen?


Martin:

Ja, also Goal-less Thinking steht für zielloses Denken und es geht letztendlich darum, einen Kontrapunkt zu schaffen gegen diese Ziele-basierten Dinge, bei denen man deterministisch vorher annimmt, ich kann das und das erreichen und wenn ich das erreichen will, dann muss ich mir sozusagen erst das Ziel setzen und dann arbeite ich dieses Ziel hinzu und dann erreiche ich das auch. Und da schnappt schnell so eine Komplexitäts-Falle zu, wo man dann irgendwann erkennen muss, okay, also das klappt gar nicht. Da kommt auf einmal so eine Corona-Krise um die Ecke und alles ist anders. Und das ist jetzt nur so ein riesengroßer schwarzer Schwan sozusagen in der Unvorhersehbarkeit der Zukunft. Es gibt ja auch ganz viele kleine. Und was der James Clear in seinem Buch Atomic Habits sehr schön beschreibt, ist viel besser als so ein Big Hairy Audacious Goal, ist eigentlich, wenn du jeden Tag ein minimal kleines Stück, also der sagt 1%, was ich schon recht viel finde, und wenn du nur ein minimal kleines Stück besser wirst jeden Tag, dann hast du einen sich akkumulierenden Effekt, der dafür sorgt, dass du irgendwann um hunderte von Prozent besser geworden bist. Ob das jetzt persönlich oder als Unternehmen, als Organisation der Fall ist und diese Denke gefällt mir so unglaublich gut, weil ich das ganz häufig bei, zum Beispiel bei Linchpin Intranet Einführungen, oder diesen ganzen kollaborativen Systemen Agile Hive, und so weiter, die wir verkaufen, sehe. Es ist nicht einfach dahingestellt, aufgepumpt und wie so eine Wasserrutsche benutzt, sondern die Leute müssen da unheimlich viel lernen, sie müssen Routinen umstellen, sie müssen umdenken, sie müssen aufhören, in Word auf ihrer Festplatte irgend etwas zu schreiben und zu speichern und das geht halt nicht von Jetzt auf Gleich. Und auch die Effekte, die ich als Unternehmen erziele, die kommen auch nicht über Nacht nach drei Tagen. 

Und in diesem Artikel zum Beispiel habe ich meinen Gewichtsverlauf gepostet, wie der sich entwickelt hat, nachdem ich angefangen habe, Sport zu machen. Und da kann man dazu sagen, das ist so ähnlich, wie wenn ich meinen Rasen versuche beim Wachsen zu beobachten, nämlich gar nicht. Da gab es überhaupt keine Veränderungen. Aber irgendwann gab es, es war ja so, da muss man sich die Kurve angucken, also wie so an einem bestimmten Zeitpunkt habe ich auf einmal mal ein Kilo verloren, oder zwei. Und dann wieder lange Zeit nichts, das war so wie so ein Plateau. Und dabei habe ich gar nichts verändert. Also es war jetzt nicht so, dass ich zu dem Zeitpunkt jetzt auf einmal meine Ernährung umgestellt hätte, oder zu dem Zeitpunkt gesagt hätte, Mensch, jetzt mache ich mal statt 25 Minuten 45 Minuten Sport oder so etwas. Sondern, keine Ahnung, vielleicht hat der Körper irgendwann mal gesagt, ja okay, da kommt offensichtlich nichts mehr, da muss ich wohl mal ein bisschen von dem Fett verbrennen hier. Wie das genau funktioniert, weiß ich nicht, aber es ist beeindruckend, was sich für Ergebnisse einstellen, wenn man nicht die ganze Zeit die Ergebnisse selbst als Ziel hat, sondern die Schaffung von Gewohnheiten. Und das ist eigentlich so das Zentrum, das ich so in diesem Podcast oder auch in diesem Blog-Artikel, den wir sicher hier auch verlinken werden, rüberbringen will.


Matthias:

Ja. Und wie genau das funktioniert, das müssen wir auch nicht wissen. Das reicht, wenn wir als Hobby-Psychologen auftreten und Hobby-Physiologen müssen wir nicht auch noch sein…


Martin:

Richtig, die Leute können ja einfach das Atomic Habits Buch von dem James Clear lesen. Das ist auch, ich würden den jetzt nich auch als Psychologen bezeichnen, aber der hat sich zumindest sehr genau darüber Gedanken gemacht, was dazu führt, dass man sich so eine Gewohnheit, so eine gute Gewohnheit antrainieren und schlechte Gewohnheiten abtrainieren kann. Das ist auf jeden Fall ein Buchtipp. 


Matthias:

Dann kommen wir von der individuellen Ebene mal auf Dinge zu sprechen, die sich jetzt abgesehen von der persönlichen Ebene sonst noch verändern können in der aktuellen Situation. Und zwar durchaus zum Schlechten. Du bezeichnest dich ja gelegentlich als Servant Leader. Führung gehört nach deinem Selbstverständnis zu deinen Aufgaben im Unternehmen. Wie verändern sich denn Führung und Führungsaufgaben unter den gegenwärtigen Umständen? Deiner Erfahrung nach oder grundsätzlich in Remote-Konstellationen?


Martin:

Ich weiß nicht, ob ich das kompetent in drei Sätzen beantworten kann. Ich glaube auch nicht, dass man sich selbst als Servant Leader bezeichnen kann. Das müssen schon andere machen. Aber, also erstmal, du hast ja von Gefahren gesprochen, die da jetzt einhergehen können. Wenn sie heute mit Excel und Meetings im Unternehmen führen, also eigentlich letztendlich durch Regel-Meetings und durch regelmäßige Anwesenheit, dann ist die Fortführung dieser Art von Management heute maximal unwirksam und unproduktiv. Weil die Leute dann nämlich bei sich zu Hause die ganze Zeit in irgendwelchen Remote Video-Calls sitzen und sie haben vielleicht noch den Eindruck, sie hätten irgendeine Form von Kontrolle über das, was sie tun, aber spätestens, wenn der Call vorbei ist, haben sie die nicht mehr und man muss…

Man braucht jetzt glaube ich gar nicht mehr daran zu appellieren, dass die Leute ihren Mitarbeitern vertrauen sollen, das die schon gute Arbeit machen werden, denn die machen eh, was sie wollen, ja. Also wenn sie jetzt zu der Art Managern gehören, die denken, sobald die Katze aus dem Haus ist, tanzen die Mäuse auf dem Tisch, dann können sie es gar nicht verhindern, denn die sind ja zu Hause. Sie sehen das gar nicht und sie können nur noch ROWE, also Results Only Work Environment, ja also ich sehe nur noch die Arbeitsergebnisse der Leute und ich habe überhaupt keine Peilung, ob die vielleicht mit zwei Stunden Arbeit ihren 8 Stunden Tag bewältigen und den Rest der Zeit im Schaukelstuhl hin und her wippen. Und ich muss ich auf einmal sozusagen als Führungskraft damit auseinandersetzen, dass ich in dieser neuen Welt auch andere Führungsinstrumente brauche. Und ja, da gibt es die ganze New Work Bewegung einem eine ganze Reihe von Denkansätzen und Werkzeugen an die Hand, die man spätestens jetzt mal ausprobieren könnte. 


Matthias:

Martin, du hast nun ein paar Wochen Erfahrung im Home Office gesammelt und lass uns doch vielleicht diese Folge mal damit abschließen, dass du vielleicht ein paar Tipps für uns hast. Vielleicht speziell für Leute, die in ihren Unternehmen ähnliche Rollen wie du ausstecken. Wie kommst du klar, wie organisierst du einen Arbeitstag? Hast du vielleicht ein paar Tipps, ein paar Routinen, die du dir jetzt außer der sportlichen Aktivitäten draufgesschafft hast?


Martin:

Hmmm, also erstmal, mein Leben hat sich jetzt nicht so stark verändert. Was sich für mich sehr stark verändert hat, ich kann nicht mehr durchs Büro laufen, einfach vor jemandem stehen, den aus seiner Arbeit rausreißen und in ein Gespräch verwickeln, was ich vorher tun konnte. Sozusagen, qua Status vermutlich auch, würde man sagen, na ja, den Geschäftsführer kann ich nicht einfach wegschicken. Das ist heute, findet auch sehr viel seltener statt, weil es einfach viel aufwendiger ist, digital so etwas zu machen. Das hat sich für mich verändert. 

Ansonsten habe ich mich eigentlich noch viel stärker mich jetzt damit beschäftigt, diese täglichen Routinen zu etablieren, das halte ich für sehr wertvoll und sinnvoll. Sowohl, auch auf geschäftlicher Ebene, darum geht es mir bei unseren Inhalten und diesem Marketing natürlich hauptsächlich, aber auch auf persönlicher Ebene. Was kann ich den Leuten für Tipps mitgeben? Gute Frage. Also, wie vorhin schon gesagt, wenn sie sich bisher noch nicht mit diesem New Work, agile Vorgehensmodelle, und so weiter, auseinandergesetzt haben, und auch der Denke dahinter, den Mitarbeitern zu vertrauen und sich gegenseitig sozusagen von seinen Talenten leiten zu lassen und die Leute auch das machen zu lassen, was sie wirklich können und ihnen diese Könnerschaft zu übergeben und nicht die ganze Zeit zu fragen, wie machen wir das, wer kann das machen und dem dann auch Verantwortung zu übergeben und so weiter, wenn sie dies jetzt starten, wäre das sozusagen, was ich ihnen glaube ich als ehestes mitgeben kann. Und was sehr sehr positiv ist, da hat der Scott Galloway, ein amerikanischer Professor an einer Eliteuniversität geschrieben, der Corona-Virus oder die Corona-Krise verändert die Welt nicht wie andere Krisen, sondern sie sorgt nur dafür, dass die Zukunft schneller eintritt. Und das meines Erachtens ein sehr schönes Bild. Also ich habe jetzt keine neue Botschaft. Genau die gleichen Sachen, die wir sowieso immer kommunizieren, nur sind die dadurch jetzt deutlich dringender geworden, weil die Leute sich halt gar nicht mehr mit 50 Leuten in einem Meeting zusammensetzen können. 


Matthias:

Das nehmen wir als Schlusswort und wollen es damit für heute bewenden lassen. Martin, vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast.


Martin:

Sehr gerne, Matze. 


Matthias:

Und euch einmal mehr, vielen Dank fürs Zuhören. In der nächsten Podcast-Folge wollen wir uns dann mal anschauen, welche Herausforderungen denn so zu bewältigen sind, wenn man eine große Präsenzveranstaltung plötzlich in ein rein digitales Event umwandeln muss. Ich hoffe, ihr seid dann wieder dabei. Bis dahin, bleibt gesund! Tschüss!




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